#6 Sofa

Blödes Blogbuch,

ich sitze auf dem Sofa und es stürmt in meinem Kopf. Gedanken wirbeln wild umher und inmitten der Wildheit weicht die Dunkelheit langsam dem Licht. Andererorts herrscht Beklemmung unter den Bekloppten, jenseits der Verrückten. Nur im Nirgendwo wo Frodo & Co in die Ecke scheißen ohne angeschissen zu werden, scheint die heile Welt noch nicht kaputt.

Alles nicht so einfach, eigene Bedürfnisse werden nur dürftig beackert, unbefriedigend auf Dauer. Weh- Wehchen hier, Weh- Wehchen da. Das Leben zieht einsam seine Bahnen und auf der Strecke strecken sich andere ganz lang, während man selbst etwas verkümmert. Niemand kümmert sich mehr so richtig um einen, die Jugend in weiter Ferne. Das Erwachsensein eine Bürde.

Mürrische, alte Weiber meckern unentwegt und plustern sich auf, bis sie platzen.

Immer wieder befinde ich mich auf dieser einen Seite des Sofas und beobachte (stets erschöpft), das Treiben um mich herum. Von hier aus kann ich fantastisch den Raum überblicken und fühle mich < Sofa away from home >. Schwierig wird es erst, wenn der Raum verlassen wird und ich mir anhand der Geräusche im Haus Bilder flechten muss. Diese sind beileibe romantischer als die Wirklichkeit. Sie sind fiktive Schnipsel, die zusammen ein unvollendetes Puzzle zu ergeben scheinen.

Abseits des Sofas herrscht Trübsinn. Die Welt dreht sich schneller. Unliebsame Dinge prasseln auf mich ein. Hinschmeißen, alles hinschmeißen. Die Wand anscheißen und abzischen. Dahin, wo nicht hier ist, jetzt ist, wo anders hin, hin zum Irrsinn. Wahnsinn, überall herrscht Wahnsinn!

Ich bleibe auf dem Sofa hocken, werde nass. Beginne zu tropfen, zu trocknen, bleib nass. Bin ein Halbermann, werde von den ganzen Kerlen schickaniert. Von denen die alles gebacken kriegen, ihren Mann stehen und dabei forsch in die Kamera blicken. Sich die Rammeln aus der Rübe pimmeln. Die Muskeln glänzen in der Dunkelheit. Der Schatten legt sich über den Perfektionismus, jenes streben nach Perfektion und die ganzen Kerle heulen still in sich hinein.

Für wahr, das Sofa ist ein sonderbarer Ort. Erst wenn es einen verschluckt, wird man sich bewußt, welch ein Zeitfresser dieses weiche Plüsch eigentlich ist.

Wenn die Zeit vorüber geht, läuft, verinnt, voran schreitet und ich sie vertrödele. Einsam, auf meiner Seite des Sofas versauere, während der Rest sich amüsiert. Wobei sie sich die Rammeln aus der Rübe pimmeln und alles im Netz teilen, was zu teilen ist. Bis alles geteilt wurde und nichts mehr übrig bleibt. Außer ein paar weiteren Belanglosigkeiten, die bedeutungsvoll in Szene gesetzt werden… Werden sie endlich verstehen, dass alles nur Rauch ist, der schnell verzieht? Oder werden sie es nie verstehen, getrieben von Eitelkeit und anderen Dämonen?

Alles strahlt und ist perfekt inszeniert, nur im Kopf schwirren die dunklen Gedanken, die man mit bestem Willen zu unterdrücken versucht, bis man irgendwann keine Kraft mehr hat…

Heiterkeit kann auch bei mir aufkommen, dann mache ich direkt einen Screenshot, um diesen besonderen Augenblick festzuhalten. Dieses seltene Gefühl zu greifen, welches sich seicht auf den Screenshot legt. Auf einer meiner verstaubten Datenträger sichere ich diesen heiteren Augenblick. Wahrscheinlich werde ich nie wieder diesen Augenblick betrachten. Sicherlich, möglich wäre es, dass ich den alten, verstaubten Datenträger irgendwann einmal herauskrame. Mir ansehe, was sich alles auf ihm befindet und zufällig auf die Datei mit dem Screenshot klicke, sie betrachte. Gegebenenfalls sie vorher wiederherstellen muss:

Jahre später, der Fortschritt noch weiter fortgeschritten und ich ein alter Greis.

Den Screenshot, der den Augenblick festhält, entgeistert anstarrend: Entwurzelt mich dieses Gefühl, was mit dem Bild zusammen festgehalten ist. Von dem besonderen Augenblick der Heiterkeit (zu dieser Zeit; im Jetzt).

Es fühlt sich unzulänglich an und enttäuscht mich. Ich hatte viel mehr erwartet.

Auf der anderen Seite des Sofas soll es auch ganz nett sein. Hab ich mir jedenfalls sagen lassen, von Miss Gabbat.

Anfassen ja, Po hauen nein! Sonst kommt die Arschklatsch- Polizei!

Ein weiteres verstörendes Zitat von Miss Gabbat, völlig aus dem Zusammenhang, völlig losgelöst. Da muss ich einfach lächeln…

Miss Gabbat, schön das es dich gibt! Ohne dich wäre ich schon längst eingegangen. ♥♥♥

Ausprobiert habe ich die andere Seite des Sofas übrigens noch nicht. Bin auch eindeutig nicht für die andere Seite bestimmt. Zu viel Abenteuer für mich, das kann nicht gesund sein. Ich war schon immer ein Bauer, der zufrieden ist mit dem, was sich bewährt hat. Ein verrückter Bauer, aber ein Bauer (der seinen Acker beim Lieferservice bestellt).