#9 Traum

Blödes Blogbuch,

momentan bin ich sehr irritiert. Irre wie irre in imaginärten Irrgärten umher, blähe dabei übel duftende Düfte durch die Lüfte, um die Orientierung nicht zu verlieren. Um zu wissen, dass ich noch lebe. Um am Ende trotzdem völlig orientierungslos durch die sagenhafte Traumwelt zu stapfen. Der Nase nach verliere ich mich in dieser Welt, alles Dunkel zieht mich dabei an. Es verfolgt mich, kriecht keuchend hinter mir her. Schleppend schleppe ich mich über den Boden, unter mir der Untergrund. Über mir der Übergrund… Kein Grund zur Sorge.

Jedes Mal, wenn ich dann erwache, bin ich einen tödlichen Tod gestorben. Belanglos das Wie. Seit Tagen geht das schon so, als ob ich vor etwas Angst habe, oder meine Popocreme zur Neige geht. Das nimmt fast schon traumatische Züge an.

Miss Gabbat gibt ja immer bei Schlafstörungen und wilden Träumen dem Mond die Schuld. Dann grummelt sie, selbst schlaftrunken, einen bitterbösen Fluch, der literarisch betrachtet, seines Gleichen sucht:

  Geh weg Mondlicht, du Spast.

Ihre Augenringe spiegeln sich dabei auf meinen gelblich schimmernden Zähnen, die ich ihr beim Auslachen zeige, während der pralle Mond ihr unentwegt ins Gesicht scheint. Voll süß, die Gute. Ein einziges Wrack bei Vollmond.

Auch außerhalb der Traumwelt läuft es beschissen für uns beiden Hübschen. Alles läuft an uns vorbei und wir laufen nur hinterher. Wie im Traum, nur umgekehrt und in echt.

Als imaginäre Person hat man es nicht leicht. Alles drischt auf einen ein, ohne Skrupel, ohne Gnade. Ohne Sinn und Verstand. Als würde man keine Gefühle haben, keinen Wert besitzen. Traurig sowas, niemand hat einen lieb. Lieblos das Dasein. Sein oder Nichtsein. Das ist keine Frage.

Ich sollte mir einen anderen Charakter erschaffen, wo ich dann das Augenmerk meiner Eigenschaften auf Stärke, Charisma, Willens- und Arschmuskelkraft legen würde.

Attribute mit denen ich bisher persönlich nicht sonderlich auftrumpfen kann. Könnte mich dann wie in einem Rollenspiel hochleveln. Dafür müsste ich nur ein paar dumme, jedoch äußerst zähe Stressmacher mit meiner Willenskraft willenlos machen, um ihnen ihre Lebenspunkte abluchsen zu können.

Abschließend kann ich dann mit einem Klappstuhl die Fäule aus ihren Hirnen herausdreschen, zum Zeitvertreib. Um ihnen schließlich, bereits am Boden liegend und völlig wehrlos, die nackten Füße zu kitzeln.

Vielleicht werde ich ja dann, außer eines heiseren Stöhnens, der im Todeskampf Befindlichen, ein kurzes Kichern wahrnehmen. Dann grinse ich verschmitzt, reibe mir die Händchen und schaue mich nach kleinen, süßen Tierchen um, die ich quälen kann.

Bin doch ’n juter Junge… hÄHä

Kranker Scheißdreck. Das kommt von dem Bockmist, den ich zur Zeit träume. Sollte aufhören damit…

Oder ich mache einfach die Augen zu, um von einer besseren Welt zu träumen. Einer Welt ohne Stressmacher und andere Hardliner.

Kaum schlafe ich dann ein, werde ich bestialisch umgebracht, mit einem Messer im Unterleib steckend, wird mir schwarz vor Augen, schmerzverzerrt zerre ich mich aus dem Bett, humpel‘ zum Klo und uriniere stundenlang. Danach tapse ich zurück ins Bettchen und träume von rosa Einhörnern und anderen blutrünstigen Monstern, die mich töten wollen, um mich danach auszuweiden auf wunderschönen Weiden, wo der Mohn klatscht und der Samen keimt.

Ja, ich schlafe in einem Bett. Mit Miss Gabbat. Nein, wir führen ein rein interllektuelles Verhältnis mit ein wenig körperlicher Interaktion. Das ist nicht immer leicht bei zwei so hellen Köpfen der Gegenwartsgeschichte. Aber wir geben uns Mühe.

Schlafsack und Yogamatte hat der Uhrensohn von Scheißwecker bereits verschreckt. Wir leben in einer verrückten Zeit, voller fantastischer Vorkommnisse. Kaum zu glauben, zumindestens für fantasieloses Gesocks und andere Soziopathen.

Miss Gabbat glaubt mir bis heute kein Wort:

Was hast du nur mit meiner Matte angestellt, du blöder Vollspast?

Warum ist diese Person nur so beleidigend? Immer denkt sie, ich habe es verbockt. Niemals ist sie neutral bei der Schuldfrage.

Wobei die Wahrheit so banal wie unglaublich ist (wie so oft). Der Schlafsack hat nämlich die Yogamatte verschluckt und ist mit ihr die Treppe heruntergeplumpst. Genickbruch, sofort tot. Zum Glück musste niemand lange leiden.

Habe den Schlafsack (mit der Yogamatte intus) in einer Nacht- und Nebelaktion begraben müssen. Im Mülleimer. Eine äußerst makabere Angelegenheit. Musste die beiden dafür  trennen und zerlegen. Zur Tarnung habe ich noch das Lieblingskissen von Miss Gabbat auf die beiden gelegt.

Tod und Verderben spielen zur Zeit eine große Rolle in meinem Leben. Das könnte natürlich auch ein Grund für die Alpträume sein. Miss Gabbat isst mir auch regelmäßig den Salat vom Teller, was Todesängste bei mir ausgelöst haben könnte und zeigt, warum Frauen anscheinend immer älter werden und Männer im besten Alter elendig zu Grunde gehen. Es geht um den Salat und um die missgünstigen Miss Gabbats dieser Welt. Tragische Geschehnisse dieser Tage, Mann sollte dagegen vorgehen…

Vielleicht sollte ich mal mit Miss Gabbat reden und ein paar Dinge mit ihr klären. Wir haben anscheinend unsere Differenzen, oder sie hat Recht und es liegt am Vollmond. Die lieben Kinderchen sind natürlich auch Schuld, wie immer. Zumindest eine Teilschuld haben sie verdient, aus Prinzip.

Mein Rücken ist im Moment ganz schön am Wehtun, sollten uns endlich Matratzen zulegen und ein Lattenrost, wo keine Nägel herausgucken.

Natürlich gibt es auch schöne Träume, nur erinnere ich mich fast nie an sie.

„Träume sind nur was für Träumer“, zitiere ich sehr gerne Ken- Reiner Keiner, diesen verrückten Mistkerl. Ein Randbewohner aus Prinzip.

Ich bin kein Träumer. Ein Schwelger vielleicht, aber kein Träumer. So etwas würden auch die lieben Kinderchen nicht zulassen. Da bleibt man lieber realistisch, sachlich und vorsichtig. Könnte ja noch eines von ihnen  Zerbrechen und die Urlaubsplanung in Gefahr bringen. Totaler Salat im Kopf und nicht auf dem Teller…

Vorerst zumindest. kann zumindest wieder und wieder versuchen, von einer besseren Welt zu träumen und mich über fliegende Elefanten freuen… die einen umbringen wollen.